UNSER DORF

Auszug aus der "Chronik der Pfarre Bleibuir bis 1885"

Der eine starke Stunde im Durchmesser weite Talkessel, welchen der Bleiberg, die Höhenzüge von Kommern, Düttling und Gemünd umkränzen und dessen größten Teil die Pfarrei Bleibuir einnimmt, war bereits vor Ankunft der Römer, also schon Christi Geburt bewohnt. Die Urbewohner der Gegend um den Bleiberg waren die Kelten. Keltische Spuren sind bei dem nach den Kelten benannten Ort Keldenich entdeckt worden, unter anderem zwei keltische Münzen auf der Sohle eines alten Schachtes. Im Laufe des letzten Jahrhunderts vor Christus wurden die Kelten von den Deutschen oder , wie die Römer sie nannten, von den Germanen verdrängt. Auch von diesen Urgermanen kommen nicht selten Spuren am Bleiberg zum Vorschein.

Der Götzendienst der alten Germanen wurde anfangs nicht in Tempeln, sondern auf Bergen und in Hainen, unter uralten Bäumen und bei stillen Auen, an Flüssen und Quellen gefeiert und bestand aus Gebet und Opfern. Die Opfer, gewöhnlich Tier-, besonders Pferdeopfer waren mit gemeinschaftlichen Mahlzeiten der ganzen Gemeinde verbunden. Wenn Menschen geopfert wurden, was nicht häufig vorkam, so waren es gefangene Feinde, gekaufte Sklaven oder schwere Verbrecher; bei harten Unglücksfällen aber auch wohl, damit desto eher die Götter besänftigt würden, Könige und Königssöhne. Zur Verkündigung des göttlichen Willens wählte das altgermanische Heidentum nicht Männer, sondern weise Frauen, welche aus den Eingeweiden der Opfertiere, aus dem Blute der getöteten Gefangenen, aus dem Rauschen der Wellen und dem Gelispel der Bäume Heil oder Unheil, Sieg oder Tod verkündeten. Bei manchen germanischen Völkerschaften zogen die Frauen mit in den Krieg und dienten dann mit den Wagen zur Deckung und durch Geschrei zur Anfeuerung der Tapferkeit. Das Gericht wurde meistens unter freiem Himmel gehalten; der Graf führte dabei den Vorsitz. Die Angesehensten des Gaues halfen ihm, das Urteil zu finden oder zu "schöpfen" und wurden deshalb Schöppen, Schöffen, Scheffen genannt.

Die Hauptzüge im Charakter der Germanen waren Tapferkeit und Redlichkeit, Gastfreundschaft und Keuschheit, dabei leider aber auch starker Hang zum Spiel und ungemeine Neigung zum Trunke, wobei ihnen ein berauschendes Gerstengebräu diente. Das ist in wenigen Strichen die Zeichnung des Volkes, welches ein halbes Jahrhundert vor Christus in den Rheinlanden von den Römern angetroffen wurde.
Infolge der Eroberungszüge des berühmten römischen Feldherrn Cäsar in den Jahren 58 - 55 vor Christus wurde die Gegend von Bleibuir ein Teil der römischen Provinz Belgien. Über 400 Jahre lang blieben die Römer Herren dieser Provinz. Ganz nahe bei dem Dorfe Bleibuir haben Römer gewohnt; das bezeugen die römischen Mauerreste, die Stücke von römischen Wasser- und Wärmeleitungen, welche heute noch im Mühlenacker gefunden werden. Auch auf der anderen Seite von Bleibuir, im Paffenfruchfelde, hat man noch vor dreißig Jahren eine Begräbnisurne entdeckt, welche an die Römer erinnert. Das Kriegergrab, welches vor einigen Jahren in Bergbuir ans Tageslicht kam, rührt wohl von den Franken her. Die römischen Niederlassungen um Bleibuir herum waren nur dazu da, um entweder die römischen Heerstraßen zu bewachen oder um das Tal von Bleibuir auf Blei- und Eisenerz auszubergen, vielleicht auch , um beides zu besorgen.

Weitere Informationen über die Frankenzeit, die französische Besatzung, vor allem aber über die Jahrtausende alte Tradition des Bergbaus in dieser Region erhalten Sie bei Familie Hahn.